Ein Beitrag aus der Aneigungsreihe.

In der letzten Ausgabe in der „Rosen auf den Weg gestreut“ haben wir euch Möglichkeiten vorgestellt, wie ihr auch ohne Geld für die Videothek oder die DVD auszugeben, an eure Lieblingsfilme kommt. Wenige Wochen nach Erscheinen der Ausgabe wurde kino.to, die bis dahin größte und bekannteste deutsch-sprachige Webseite für Streams von Filmen und Serien durch die Dresdner Staatsanwaltschaft abgeschaltet. Seit dem 8. Juni sehen die Nutzer_innen von kino.to statt der Filme nur noch einen Hinweis der Kriminalpolizei. Diese wirft insgesamt 21 Leuten die Bildung einer kriminellen Vereinigung (§129) zur „gewerbsmäßigen Begehung von Urheberrechtsverletzungen“ vor. Die Beschuldigten sollen laut Staatsanwaltschaft ein „hochkriminelles, profitorientiertes System“ aufgebaut und Gewinne im 6stelligen Bereich eingefahren haben.

Bei den Ermittlungen gegen kino.to wieder einmal ganz vorne mit dabei war die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU). Die GVU ist ein Lobbyverband der Unterhaltungsindustrie, der seit 1984 auf eine Verschärfung des Urheberrechts und der Verfolgung von Raubkopierer_innen drängt. Bekannt geworden ist die GVU durch die Kampagne „Raubkopierer sind Verbrecher“. Die Kino-Spots der Kampagne erweckten bewusst den Eindruck, privaten Raubkopierer_innen drohe bis zu fünf Jahren Haft. Um die Einschüchterung zu verstärken, wurde auch auf Stereotypen wie die Vergewaltigung in der Knast-Dusche zurückgegriffen. Neben dieser Öffentlichkeitsarbeit ermittelt die GVU auch eigenständig gegen tatsächliche oder vermeintliche Raubkopierer_innen. Trotz der umstrittenen und teilweise illegalen Methoden der GVU greifen die Staatsanwaltschaften bereitwillig auf ihre Erkenntnisse zurück. So auch bei der Abschaltung von kino.to. Den Razzien sind laut Angabe der GVU jahrelange eigene „Vorermittlungen“ voraus gegangen, die „schon deutliche Indizien auch auf beteiligte Personen erbracht hätten“. Zwischen dem Strafantrag der GVU am 28. April und den Razzien sind nur wenige Wochen vergangen. Die Verfolgungsbehörden scheinen sich einmal mehr auf die vermeintlichen Erkenntnisse dieser privaten Lobbyinstitution gestützt zu haben.

Die Ära des kostenlosen Filmvergnügens im Internet ist jedoch mit der Abschaltung von kino.to selbstverständlich nicht vorbei. Download-Portale wie movie-blog.org, die wir ebenfalls in der letzten Ausgabe vorgestellt haben, waren gar nicht erst betroffen. Gleichzeitig ringen bereits jetzt etliche neue Streaming-Seiten um die lukrative Nachfolge von kino.to – wenig verwunderlich angesichts der Profite, die sich mit dem Betrieb solcher Seiten erzielen lassen. Wenn ihr noch auf der Suche nach einer Alternative seid, schaut doch einfach mal bei Movie2k.to, Video2k.tv und kinoX.to vorbei.

Erstveröffentlichung in Rosen auf den Weg gestreut Nr. 17 (August 2011).