Ein Beitrag aus der Aneignungsreihe.

Im Internet findet sich heutzutage so ziemlich jeder Song und Film, der das Herz begehrt. Dank schneller Internet-Verbindungen und Flatrates sind diese nur noch einen Maus-Klick entfernt. Raubkopien gehören daher zum Alltag fast aller. Das leere Portemonnaie hält nur noch die wenigsten von ihrer Lieblingsmusik oder dem begehrten Film ab. Leider flattern dabei viel zu oft Abmahnungen ins Haus oder die Bullen schauen gar vorbei und nehmen nicht nur die mühsam aufgebaute Musiksammlung, sondern auch gleich noch den PC mit. Zwar droht dann – anders als von der „Content-Mafia“ propagiert – im Normalfall kein Knast, teuer kann es aber schon werden. Ein paar Vorsichtsmaßnahmen können das jedoch fast immer verhindern.

Communitys, die Musik und Filme getauscht haben, gibt es schon lange. Lange vor dem Internetzeitalter haben bereits Leute Kassetten und später CDs kopiert und weitergegeben. Mit dem Siegeszug von Napster zur Jahrtausendwende war es plötzlich Millionen Menschen möglich, an Tauschnetzwerken teilzuhaben. Napster war ein Peer-to-Peer-Netzwerk, über das zu seinen besten Tagen 80 Millionen Menschen weltweit Musik getauscht haben. Nach einiger Zeit rief dies auch die Musikindustrie auf den Plan, die schließlich Napster abschalten ließ. Die Idee war jedoch nicht mehr aufzuhalten und es entstanden etliche, zum Teil noch erfolgreichere Netzwerke wie Gnutella, eDonkey und BitTorrent. Auch wenn sich Peer-to- Peer-Netzwerke nach wie vor einiger Beliebtheit erfreuen, sollten sie nicht mehr zum Tausch von Raubkopien genutzt werden. Im routinierten Zusammenspiel von Unterhaltungsindustrie und Gerichten werden die Nutzer_innen zuhauf mit automatisierten Abmahnungen und Strafanzeigen überzogen. Zum Glück gibt es gute Alternativen.

Seit einigen Jahren haben Sharehoster die Peer-to-Peer-Netzwerke abgelöst. Share- oder auch One-Click-Hoster sind Webseiten, auf denen von jeder und jedem Dateien hoch- und heruntergeladen werden können. Die Links zu den entsprechenden Dateien werden über spezielle Webseiten verteilt. Für Musik ist zum Beispiel music.drei.to, für Filme movie-blog.org und für Serien serienjunkies.org zu empfehlen. Wer die teilweise sehr vielen Dateien nicht mühsam per Hand herunterladen will, kann sich die Arbeit von Programmen wie JDownloader (www.JDownloader.org) abnehmen lassen.

Selbst dem spontanen Filmvergnügen steht im Internet nichts im Wege. Auf sogenannte Streaming-Seiten können, ähnlich wie bei YouTube, ganze Kinofilme in Echtzeit geschaut werden. Damit dies ohne Probleme funktioniert, muss Adobe Flash und der DivX Web Player installiert sein. Auf der größten deutschsprachigen Streaming-Seite kino.to finden sich aktuell rund 20.000 Spielfilme, 7.000 Dokumentation und 2.400 Serien. Mehr als in jeder Videothek.

Die Betreiber der Webseiten stellen dieses riesige Angebot dabei nur in den seltensten Fällen aus Nächstenliebe oder Idealismus illegal zur Verfügung. Mit Raubkopien im Internet lässt sich Geld verdienen – viel Geld. Vor allem mit der penetranten Werbung und Premiumaccounts, die zusätzliche Leistung gegen Geld bieten, verdienen die Betreiber_innen einen großen Batzen Schotter. Der positive Nebeneffekt ist, dass sie keinerlei Interesse daran haben, bei der Verfolgung von Raubkopierern zu kooperieren. Bisher ist es daher der Unterhaltungsindustrie und Polizei nur in Ausnahmefällen gelungen, Nutzer_innen von Sharehostern oder Streaming-Webseiten zu ermitteln – und dies betraf bisher ausschließlich Personen, die Dateien hochgeladen haben.

Ein größere Gefahr, erwischt zu werden, stellen – neben der Nutzung von Peer-to-Peer-Netzwerken – Zufallsfunde bei Hausdurchsuchungen dar. Mehr als ärgerlich, wenn die Polizei wegen dem letzten Bombing vorbei schaut – für das natürlich keine Beweismittel zu finden sind – und dann über die private Videothek stolpert. Eine Verschlüsselung des Computers kann helfen, solche Zufallsfunde zu vermeiden.

Zu erst veröffentlicht in Rosen auf den Weg gestreut Nr 16 (Mai 2011).

Siehe auch: Filme schauen nach kino.to