Vor 25 Jahren, zum 1. Mai 1988 erschien die erste Ausgabe der Interim. Die Macher*innen versuchen mit der Zeitschrift "an die neuen Strömungen der radikalen undogmetischen Berliner Linken anzuknüpfen und gleichzeitig zwei Lücken zu schließen: ein fehlendes Berliner Info der undogmatischen Linken und der politische Abgang der taz." Die Zeitung soll dabei nicht Leute agitieren, sondern Medium für den eigenen Austausch, die eigenen Debatten sein. "Um der Lebendigkeit der Äuseinandersetzungen gerecht zu werden", soll sie wöchentlich erscheinen. Sie erklären unmissverständlich keinen Bock darauf zu haben, "die neuste Dienstleitung der radikalen Linken" zu sein: Deswegen werden wir ein Minimum an Arbeit reinstecken. Wir schreiben keine Artikel, dass Layout geht uns einen Scheißdreck an. Inhalte wollen wir schon gar nicht bestimmen." Abgedruckt wird, was von der Szene kommt. (Editorial in der erster Ausgabe)

Mit diesem Konzept hat die Interim es mittlerweile auf 750 Ausgaben geschafft. Immer wieder diente sie der radikalen Linken nicht nur in Berlin zur Selbstverständigung. Debatten, die uns bis heute prägen, wurden in der Interim geführt: Die Organisierungsdebatte Anfang der 90er, die zur Gründung von FELS, der AA/BO (Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation) und des BAT (Bundesweites Antifa-Treffen) führte; die Auseinandersetzung über den Umgang mit einem Vergewaltiger in den Reihen der AAB (Antifaschistische Aktion Berlin) Anfang der 2000er; die von der militanten gruppe (mg) angestoßene Militanzdebatte im letzten Jahrzehnt. Aber auch in jüngerer Zeit haben wir immer wieder gerne die Debatten in der Interim gelesen: Über Castor Schottern, das Konzept des Aufstands, die Anschläge auf die S-Bahn und die unangemeldeten Demos zum Polizeikongress.

Dabei hat die Interim schon mal bessere Zeiten gesehen als heute. Regelmäßig klagt die aktuelle Redaktion über zu wenige Spenden, um die Kosten zu decken. Seit 1 1/2 Jahren erscheint sie nur noch monatlich. In der aktuellen Jubiläumsausgabe kündigt sie an, dass die bundesweite Verschickung eingestellt werden muss, wenn nicht mehr Geld zurückgeschickt wird. In der ersten Ausgabe heißt es zur Geschichte linker Zeitschriften: "Die Zeitungen und Zeitschriften der undogmatischen Linken in der BRD kommen und gehen. Sie begleiten die Entwicklung und Verwicklung dieser Politik: einige kommen gar nicht zur Geltung, viele überleben ihre politische Notwendigkeit. Es ist aber gerade die Kurzlebigkeit und Spontaneität dieser linken Medien, die ihre Stärke ausmacht. Sie sind keine Institution, sondern das Produkt eines politischen Prozeßes und gleichzeitig ihr Spiegel. Ihre Inhalte sind nicht diktiert, sondern kristalisieren sich aus der politischen Realität heraus." Ob auch die Interim ihre politische Notwendigkeit überlebt hat, ob sie noch  Produkt eines politischen Prozesses ist oder zur Institution versteinert, ist eine offene Frage, die wir gemeinsam diskutieren sollten.