Neben dem Rostocker Fernbahnhof lag 1992 die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende, kurz ZAst gennannt. Im gleichen elfstöckigen Plattenbau wohnten nebenan ehemalige vietnamesische „Vertragsarbeiter_innen“. In den Tagen zuvor trafen auch Asylsuchende rumänische Roma ein, denen die Aufnahme verweigert wurde. Fast 400 Menschen waren gezwungen vor dem Haus auszuharren, nicht einmal Toiletten oder Wasser wurde ihnen gestellt. Am einem Samstag Abend, dem 22. August, versammelten sich über tausend Rostocker_innen vor dem Haus. Gegen zwanzig Uhr warfen die Ersten mit Teilen von Gehwegplatten Fenster ein, später kamen Molotowcocktails hinzu. Aus der Menge wurden Parolen wie „Ausländer Raus“ und „Heil Hitler“ skandiert. Die anwesende Rostocker Polizei war damit beschäftigt, sich selbst zu schützen. Am nächsten Tag reisten erste organisierte Nazis an. Angreifer_innen brachen in das Haus der Vietnames_innen ein, die Polizei holte sie wieder heraus. Erst am Montag wurden die Menschen aus der ZAst evakuiert. Allerdings nicht die dort lebenden Vietnames_innen. Das Haus wurde von den Angreifer_innen beworfen und angezündet. Mehrere tausend Menschen schauten zu, klatschen Beifall und boten den Angreifenden Schutz. Die Bewohner_innen brachen verschlossene Notaufgänge auf und flüchteten über das Dach, während die Feuerwehr über eine halbe Stunde brauchte, um durch die Menge zu dem Haus durchzukommen.

Anlässlich des 20. Jahrestages dieser Ereignisse nahmen am 25. August 2012 in Rostock über 6.500 Menschen an einer Gedenkdemonstration teil. Außerdem wurde im Rahmen einer Kundgebung eine Gedenktafel am Rostocker Rathaus angebraucht (Video / Bilder: 1, 2, 3, 4). Am darauffolgenden Sonntag stand bei der "zentralen Gedenkveranstaltung" der Stadt Rostock hingegen Geschichtsklitterung und Verharmlosung im Vordergrund. Dabei kam es zu lautstarken Protest während der Rede von Bundespräsident Gauck. Des Weiteren unterstrich eine Begebenheit am Rand den verlogenen Charakter der Veranstaltung. Zwei Mitgliedern des deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e. V. wurde der Einlass zur Gedenkveranstaltung der rassistischen Pogromen von vor 20 Jahren verwehrt - trotz offizieller Einladung und ohne Begründung (Video).

Aufruf: Deutsche Zustände aufmischen
Hintergrundinfos: Vor 20 Jahren in Rostock - Ein Pogrom vor aller Augen
Mehr Infos: lichtenhagen.net