Ganz im Norden von Berlin-Pankow, direkt am Stadtrand, befindet sich der Ortsteil Buch. Er fällt bereits seit mehreren Jahren immer wieder als Wohn- und Aktionsraum für Nazis auf. Bisheriger Höhepunkt dieser Aktivitäten war der Mord an Dieter Eich im Mai 2000. Damals drangen 4 junge Nazis, getrieben von Hass auf vermeintlich "Asoziale", in seine Wohnung ein, quälten ihn stundenlang und töteten ihn anschließend mit einem Messerstich ins Herz. Auch wenn im darauf folgenden Prozess das nazistische Motiv der Tat herunter gespielt wurde, beschränkte sich die örtliche Naziszene glücklicherweise danach nur noch auf kleinere Aktionen. Mit Sorgen müssen wir aber feststellen, dass sich Häufigkeit und Niveau von Aktionen der lokalen Nazis in der letzten Zeit sprunghaft erhöht hat.

Ein wichtiger Protagonist dieser Entwicklung ist der Pankower NPD-Vorsitzende Christian Schmidt. Er zog vor circa 2 Jahren aus Berlin-Lichtenberg nach Buch und konnte schnell die zersplitterten und zum Teil zerstrittenen Nazi-Cliquen organisieren. Es gelang ihm auch den vorher inaktiven Pankower Kreisverband der NPD zu reaktivieren, so dass dieser mittlerweile einer der aktivsten Berlins ist. Ausdruck findet diese Neuorganisierung vor allem in einem zunehmenden Kampf um die Straße. Die Nazis betrachten Buch als ihre "Homezone" und zeigen dies auch, indem sie verstärkt Migrant*innen und Andersdenkende bedrängen und attackieren, sowie durch ihre Propaganda das Straßenbild prägen. 

So besorgniserregend diese Entwicklung bereits an sich ist, kommt der lokalen Naziszene ein weiterer Umstand sehr gelegen. Bis Februar 2015 will der Berliner Senat eine Geflüchtetenunterkunft für 480 Menschen in Form von Wohncontainern vor Ort errichten. Daraufhin gründete sich im Oktober eine rassistische "Bürgerinitiative", die gegen den anstehenen Zuzug von Flüchtlingen mobil macht. Mit einer Petition wurden bereits mehrere Tausend Unterschriften gesammelt. Sehr engagiert mit dabei sind auch die Nazis um Christian Schmidt, deren rassistische Hetze auf fruchtbaren Boden fällt. Bereits mehrfach gingen in den vergangenen Wochen bis zu 200 Menschen bei Demonstration gegen die Unterkunft auf die Straße. Die Nazis aus Buch und Umgebung dominieren hierbei das Erscheinungsbild der Demonstrationen. Sie sind federführend in die Organisation der Aufmärsche eingebunden und heizen mit ihrer offen rassistischen Rhetorik die Proteste an. Das vermeintlich harmlose Image der Proteste ist also nichts als Makulatur. Weiterhin ist klar, dass es nicht nur bei Protesten bleiben wird. Mehrfach wurde bereits der Bauzaun beschädigt und die zum Schutz der Baustelle eingesetzten Securitys angegriffen. Es ist also ziemlich wahrscheinlich, dass es wie in Hellersdorf in der nächsten Zeit zu rassistischen Mobilisierungen und Angriffen gegen Geflüchtete und die Unterkunft kommt.

Wir können diese Zustände in Buch nicht weiter dulden! Nachdem die Naziszene aus vielen innerstädtischen Bezirken zurückgedrängt wurde, versucht sie Berlin-Buch als neue Homezone zu festigen. Die Versuche durch eine rassistische Mobilisierung Anschluss an bürgerliche Kreise zu gewinnen, scheinen auch teilweise erfolgreich zu sein. Wir wollen diesem Treiben nicht länger zuschauen und rufen dazu auf, euch an anstehenden Aktionen zu beteiligen oder selbst aktiv zu werden.

Raus nach Buch - Alerta Antifascista!

Aktuelle Infos: gemeinsam-gegen-rassismus.net