Am 12. September, kurz vor seinem 100. Geburtstag, verstarb Erwin Schulz, Moorsoldat und Ehrenvorsitzender des VVN-BdA Köpenick. Er wurde am 13. Oktober 1912 in Tempelhof geboren. 1922 trat er dem Arbeitersportverein „Fichte“ bei. Vereine des Arbeitersports galten als fortschrittlich und antibürgerlich. Fünf Jahre später trat er in die Gewerkschaft, den Zentralverband der Angestellten, ein. Nach der Machtübergabe an Hitler im Januar 1933 wurden oppositionelle Gruppierungen nach und nach verboten, so auch der Arbeitersportverein „Fichte“. 1935 wurde er bei einem illegalen Treffen verraten und verhaftet. Anschließend wurde er wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er unter anderen antinazistische Flugblätter verteilt hatte und die klandestinen Strukturen von "Fichte" aufrecht erhielt. Die Stationen der nächsten zehn Jahre hießen Zuchthaus Luckau, das Lager Esterwegen und das Lager Börgermoor (bekannt durch das Lied der Moorsoldaten). 1942 wurde er in die Strafdivision 999 eingezogen. 1943 konnte er in Tunesien überlaufen. In der britischen und amerikanischen Gefangenschaft  fand er Gleichgesinnte für politische Arbeit. Nach seiner Rückkehr im Oktober 1946 nach Berlin engagierte er sich bis zu seinem Lebensende für den Antifaschismus.

Weitere Informationen: Zeitzeugeninterview mit Erwin Schulz