Erinnern heißt Kämpfen - Den antifaschistischen Selbstschutz organisieren

Damals ...

„Faschismus tötet! Hier wurde heute Nacht der 27 Jährige Silvio von Nazis ermordet.“ So war es noch am Tag des Mordes an Silvio Meier, am 21.11.1992 zu lesen. Für seine Freund*innen stand der nazistische Hintergrund der Tat von Anfang an fest. Hatten doch seine Begleiter*innen die Angreifer*innen als Nazis erkannt und dies auch von Anfang an so gesagt.

 Anders die Bullen: Trotz eindeutiger Aussagen wurde die Tat nicht nur entpolitisiert, auch wurde versucht einen Freund Silvios noch frisch opperiert im Krankenhaus zu einer Falschaussage zu zwingen. Als sich die Lüge von der „Auseinandersetzung rivalisierender Jugendbanden“ nicht mehr halten ließ, wurde den Linken in Einvernehmen mit dem Mörder die Schuld an dem Geschehen gegeben. So wurde ihnen eine Schreckschusswaffe und das Ziehen der Messer angedichtet. Als sich auch diese Lüge nicht mehr halten ließ, waren natürlich trotzdem die Betroffenen Schuld, die nur „sehr zögerlich“ (Polizei-Vize Dieter Schenk) mit der Polizei gesprochen hätten, außerdem sei das Problem sowieso nur der „Extremismus“. Die Nazi-Bedrohung wurde weiter verharmlost und es blieb den Betroffenen, den Antifas und engagierten Einzelpersonen überlassen, sich dagegen zu wehren.

Braune Dämmerung? Krise und rassistische Mobilisierung in Griechenland. 

Mit dem antifaschistischen Aktivisten und Arbeitsrechtler am Institut der Gewerkschaften, Apostolos Kapsalis aus Athen, soll über das Anwachsen der faschistischen Gefahr in Griechenland und antifaschistische Perspektiven diskutiert werden.

Samstag / 6.10. / 19 Uhr / k-fetisch (Wildenbruchstr. 86) / Weitere Infos ...

Second Generation in the UK

Die Referentinnen Irene Fick und Merylin Moos wurden beide in England als Kinder von Antifaschist_innen geboren, die aus Nazi-Deutschland geflohen waren. In ihrem Vortrag berichten sie über das Schweigen ihrer Eltern und ihre heutige Arbeit in Großbritannien als Angehörige der zweiten Generation. Der Vortrag ist in Englisch und Deutsch, eine individuelle Übersetzung ins Deutsche bzw. Englische ist möglich. Die Veranstaltung dient der Mobilisierung zur antifaschistischen Gedenkdemonstration am 9.November 2012 in Moabit.

Sonntag / 14.10. / 15 Uhr / Kulturfabrik Moabit (Lehrter Str. 35)

Am 21.11.1992 wurde der Antifaschist und Hausbesetzer Silvio Meier von Nazis in Berlin-Friedrichshain ermordet. Seitdem findet jährlich zum Gedenken eine Mahnwache und eine Demonstration statt, an der im letzten Jahr über 5000 Menschen teilnahmen. Immer wieder werden dabei auch aktuelle Themen angesprochen. In diesem Jahr, anlässlich des 20. Todestages, plant ein Bündnis verschiedener linker Gruppen am 24. November eine bundesweite Demonstration unter dem Motto "Erinnern heißt Kämpfen - Den antifaschistischen Selbstschutz organisieren".

Inhaltlich soll der Fokus in diesem Jahr auf der Mordserie des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) liegen (Aufruf). Diese stellt den traurigen Höhepunkt der 189 bisher bekannten Todesopfer durch Nazis in der Bundesrepublik seit den 90er Jahren dar. So schockierend diese Qualität nazistischen Mordens ist, umso erschreckender wird sie in Kombination mit den immer neuen Enthüllungen über den organisierten Unwillen von Seiten des Staates. Im Zuge der Aufarbeitung tauchen beinahe wöchentlich neue Enthüllungen, Gerüchte und Dokumente über die Verstrickungen verschiedener Behörden auf.  Was davon nun Zufall war, organisierter Unwille oder gar Kalkül können wir heute noch nicht sagen.

Sicher ist aber: Ein Staatsapparat, der von nicht wenigen Nazis mit aufgebaut wurde, seine Sicherheitsbehörden jahrelang in antikommunistischem Wahn nach Links getrimmt hat, immer wieder mit rassistischer Stimmungsmache kokettiert und dem zu jeder noch so schockierenden Aktion von Nazis nichts als eine noch verlogenere Imagekampagne einfällt, ist Teil des Problems, nicht der Lösung. Heute, wie vor 20 Jahren, es bleibt dabei: Gegen Nazis aller Couleur hilft nur der antifaschistische Selbstschutz. Auf den deutsche Staat samt seiner Behörden ist dabei nicht nur kein Verlass, er gehört schlicht mit auf den Müllhaufen der Geschichte.

Erinnern heißt Kämpfen: Nazis, Staat, Verfassungsschutz - Angreifen, Zerschlagen, Auflösen!

Silvio-Meier-Demonstration: Samstag / 24. November / 15 Uhr / U-Bhf Samariterstraße
Silvio-Meier-Mahnwache: Mittwoch / 21. November / 17 Uhr / U-Bhf. Samariter Straße
Silvio-Meier Solipartys: Samstag / 24. November / 22 Uhr / K9 & Zielona Gora & Schreina47

Weitere Infos: Silvio-Meier-Bündnis / Initiative für ein aktives Gedenken

Am 12. September, kurz vor seinem 100. Geburtstag, verstarb Erwin Schulz, Moorsoldat und Ehrenvorsitzender des VVN-BdA Köpenick. Er wurde am 13. Oktober 1912 in Tempelhof geboren. 1922 trat er dem Arbeitersportverein „Fichte“ bei. Vereine des Arbeitersports galten als fortschrittlich und antibürgerlich. Fünf Jahre später trat er in die Gewerkschaft, den Zentralverband der Angestellten, ein. Nach der Machtübergabe an Hitler im Januar 1933 wurden oppositionelle Gruppierungen nach und nach verboten, so auch der Arbeitersportverein „Fichte“. 1935 wurde er bei einem illegalen Treffen verraten und verhaftet. Anschließend wurde er wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er unter anderen antinazistische Flugblätter verteilt hatte und die klandestinen Strukturen von "Fichte" aufrecht erhielt. Die Stationen der nächsten zehn Jahre hießen Zuchthaus Luckau, das Lager Esterwegen und das Lager Börgermoor (bekannt durch das Lied der Moorsoldaten). 1942 wurde er in die Strafdivision 999 eingezogen. 1943 konnte er in Tunesien überlaufen. In der britischen und amerikanischen Gefangenschaft  fand er Gleichgesinnte für politische Arbeit. Nach seiner Rückkehr im Oktober 1946 nach Berlin engagierte er sich bis zu seinem Lebensende für den Antifaschismus.

Weitere Informationen: Zeitzeugeninterview mit Erwin Schulz

Kürzlich ist der dritte Teil der Broschüre „Fragt uns, wir sind die Letzten“ erschienen. In ihr werden Erinnerungen von Verfolgten und Menschen aus dem antifaschistischen Widerstand aufzeichnet. Diese Erinnerungen sind ein bedeutendes Gegengewicht zu herrschenden Geschichtsbildern und auch zu denjenigen Zeitzeug_innen, die scheinbar von nichts wussten – vor allem nicht von ihrer eigenen Schuld. Von den Zeitzeug_innen wird nicht erwartet, dass sie uns Geschichte objektiv vermitteln. Den Autor*innen geht es gerade um die individuellen Schlüsse und die Bewertungen, die nur Verfolgte und Menschen aus dem Widerstand vermitteln können. Die Interviews orientieren sich dabei weniger an einem wissenschaftlichen, vermeintlich objektiven Zugang zu Geschichte, sondern vielmehr an einem persönlichen. Wie erlebten Menschen Verfolgung und/oder Widerstand? Welche Erkenntnisse zogen sie daraus? Was waren (und sind) ihre Beweggründe, sich gegen faschistisches Gedankengut einzusetzen?

Weitere Infos findet ihr unter fragtuns.blogsport.de

Turn left, smash right

Nazistrukturen in Schöneweide aufdecken und bekämpfen!

Schon seit längerem gehören Neonazis und rechter Lifestyle zum Straßenbild des Südost- Berliner Stadtteils Schönweide. Nicht wenige organisierten sich sogar in Kameradschaften und der NPD und machten den Kiez um den S-Bahnhof unsicher. In letzter Zeit baut die Berliner Neonaziszene ihre Infrastruktur im Kiez weiter aus. Mittlerweile bestehen dort mindestens neun Läden, die der rechten Szene zugeschrieben werden müssen. Dadurch erfüllt Schöneweide für die Berliner Neonazis gleich mehrere Funktionen: Dort schaffen sie sich gegenseitig Arbeitsplätze, dort können sie ungestört feiern, Veranstaltungen durchführen und sich vernetzen. Aufgrund der hohen Präsenz von Neonazis im Stadtbild, schaffen sie zeitweilig eine rechte Hegemonie im Kiez. Quasi eine Volksgemeinschaft im Kleinen. Immer wieder kommt es auch zu Übergriffen auf Migrant_innen, Linke und andere Menschen die nicht in ihr rechtes Weltbild passen.

Inzwischen ist der Stadtteil Rückzugsraum und Basis für berlinweite Aktivitäten. Wenn es in der Stadt zu Neonazi-Aktionen kommt, dann oftmals nur mit Hilfe der Strukturen in Schöneweide. Die sich dort entwickelnde rechte Hegemonie ist somit nicht nur ein Problem für die Anwohner_inne, sondern für ganz Berlin und sollte auch von ganz Berlin bekämpft werden.

Seit nun mehr als drei Jahren besteht in Berlin Schöneweide die Nazikneipe «Zum Henker». Dort finden Konzerte, Veranstaltungen und Kameradschaftsabende statt. Seit der Eröffnung der Kneipe im Februar 2009 kommt es regelmäßig im Umfeld des Lokals zu Übergriffen und Sachbeschädigungen. Wie bekannt geworden ist, siedeln sich nach und nach immer mehr neue Strukturen in der Gegend rund um die Brückenstraße in Schöneweide an. Mittlerweile verfügt die Berliner Naziszene über insgesamt neun Geschäfte und Lokalitäten in Schöneweide. Ein Großteil davon liegen in der Brückenstraße. Nach einer antifaschistischen Veröffentlichung wird die Brückenstraße deshalb in vielen Kreisen als «Braune Straße» gehandelt.

Neben der Infrastruktur haben auch viele Nazis ihren Aktionsschwerpunkt nach Schöneweide verlegt. Regelmäßig fungiert Schöneweide als Treffpunkt der Naziszene. Von dort aus reisen Nazis zu bundesweiten Naziaufmärschen oder anderen Aktionen. Mitlerweile leben auch viele organisierte Nazis aus Berlin in Schöneweide. So wohnt der Berliner Nazikader Sebastian Schmidtke in der Brückenstraße. Gleichzeitig betreibt er, dort den Naziladen Hexogen. Der wirbt mit dem Slogan "Alles für den Aktivisten" für sein Sortiment. In diesem Laden können Nazis, u.a Waffen, Kleidung und Nazipropaganda erwerben. Der Name des Laden ist die Bezeichnung für ein Sprengstoff aus dem zweiten Weltkrieg.

Doch seit einigen Monaten kommt es immer wieder zu Aktionen gegen die Naziszene in Berlin-Schöneweide. Unter anderem  besuchten engagierte Antifaschist_innen die Immobiliengesellschaft F&M, welche für die Vermietung der Räumlichkeiten des "Henker" verantwortlich ist. Aktuell hat sich ein Antifa-Bündnis unter dem Motto "Turn Left - Smash Right" gegründet, um die Präsenz in Schöneweide zu intensivieren. Neben anderen Aktionen beteiligten sich am 7. Juli trotz des schlechten Wetters über 300 Menschen an einer Demonstration. Ein ausführlicher Bericht findet sich auf Indymedia. Auch für die Zukunft sind weitere Aktionen angedacht.

Die vorliegende Dokumentation umfasst Beiträge zu fünf thematisch gegliederten Veranstaltungen, die die Jugendantifa Berlin im Rahmen der antifaschistischen Veranstaltungsreihe „Nazifaschismus - Verfolgte - Widerstand“ in den Jahren 2009 und 2010 durchgeführt hat. Mit dieser Veranstaltungsreihe ging es uns darum, uns wesentliche inhaltliche Schwerpunkte im Kampf gegen die heutigen Nazis anzueignen und Position zu beziehen. Es ist unser Anliegen, die Nazis und ihre Verbrechen anzuklagen, der Verfolgten des Naziterrors zu gedenken und Kontinuität gewährleistend antifaschistisch zu arbeiten.

Die Recherche-Broschüre Fight.Back gibt es mittlerweile in vier Ausgaben. Die letzte ist im Mai 2009 erschienen. Fight.Back ist ein Fachblatt für die antifaschistische Praxis und wird seit 2001 von unabhängigen Berliner Antifagruppen herausgegeben. Die Broschüre richtet sich an alle, die sich mit den Erscheinungsformen der extremen Rechten in Berlin aktionistisch, wissenschaftlich, beruflich und journalistisch auseinandersetzen.

Download der Broschüre | Ältere Ausgaben und weitere Recherche-Veröffentlichungen

Auf der Antifa-Berlin-Sonderseite "Who is who" befindet sich ein Memory-Spiel der besonderen Art. Mensch kann hier sein Wissen über die Berliner Neonazi-Szene spielerisch testen. Es gilt 25 Berliner Neonazis auf Memory-Karten wiederzuerkennen. Ergänzend werden die Dargestellten mit einem kurzen Portrait dargestellt.

Viel Spaß beim Spielen.