Einmal feierten wir während des Plenums in den Geburtstag eines Freundes und geliebten Genossen rein. Um zwölf Uhr wurden ein paar Bier geöffnet (ich hoffe es war kein Sterni), kurz gratuliert und im Anschluss mussten wichtige Entscheidungen getroffen werden. Irgendwas mit Silvio Meier bestimmt. Das Plenum ging auf jeden Fall noch eine Weile. Schade. Sekt und durchgeknallte Plenumsbeschlüsse wären eine bessere Anekdote und einem Geburtstag bestimmt angemessener gewesen.

Ihr seht also eigentlich ist das Ganze gar nicht mal so unser Style. Wir werden alle älter. Wir sind weniger flexibel. Dabei hatten wir uns doch einmal geschworen, niemals so zu werden. Seit ungefähr fünf Jahren gibt es uns nun schon als Autonome Antifa Berlin. Der Weg bis hier hin ist voller schöner Erinnerungen. Mit Erfolgen und Niederlagen gesät, voller Widersprüche und Enttäuschungen. Anspruch und Wirklichkeit gingen immer wieder in verschiedene Richtungen. Lange Nächte und nicht enden wollende Diskussionen durchziehen die Zeit. Trotz alledem, ein fünfjähriger Geburtstag ist irgendwie ein Grund zum Feiern. Dazu gehört es auch ein Paar Worte an euch zu richten.

Der Friedrichshainer Nordkiez ist in den vergangenen Jahren von Medien und Politik zu einem Ort stilisiert worden, den sie nur zu gerne hätten und ihrem Wunschdenken entspricht. Halluziniert wird von einem vermeintlichen Kriegszustand, es wird wahlweise von "kriminalitätsbelasteten Orten" oder "linken Terrornestern" geredet. Diese pauschale Hetze trifft alle Menschen, die in diesem Kiez wohnen, leben und arbeiten. Diejenigen, die den Nordkiez zu dem machen, was er ist: Ein bunter und rebellischer Ort voller widerspenstiger Geister, welche tagtäglich versuchen der Verwertungslogik der gentrifizierten Stadt ein Stück weit zu entkommen. Dabei unterschlagen die Verantwortlichen in Politik, Justiz und Polizeiapparat, dass sie diejenigen sind, die tagelang ganze Straßenzüge besetzen, Häuser ohne Gründe stürmen und durchsuchen und Menschen schikanieren.

 

We don`t need your education...

Der Nordkiez soll befriedet werden. Es sollen dort keine alternative Lebenskultur mehr geben. Stattdessen piekfeine Boutiquen, teure Cafes und sanierter Wohnraum nur für überdurchschnittlich Verdienende. Wir wollen es nicht soweit kommen lassen und werden uns nicht so einfach vertreiben lassen. Emanzipatorische und selbstverwaltete Projekte, wie die Rigaer94 oder der Kiezladen Friedel54 in Neukölln haben dabei eine wichtig Funktion, da sie Orte abseits von Kapitallogik und Ertragsmaximierung sind. Es sind Orte, die den Nährboden für antifaschistische, emanzipatorische, linksradikale und autonome Lebensentwürfe bilden. Sie sind ein Teil von uns und müssen deshalb erhalten bleiben.

 

 All together now...!

Was auch immer in den nächsten Monaten und Jahren auf uns zu kommt, solidarisch sein bedeutet füreinander einzustehen und gemeinsam, Seite an Seite, für ein besseres Leben zu kämpfen. Wir sind solidarisch mit den Projekten des Friedrichshainer Nordkiezes, mit dem räumungsbedrohten M99, mit dem Kiezladen Friedel54 und dem Köpi-Wagenplatz - weil ihr uns geprägt habt, weil wir mit euch gewachsen sind und weil es euren Erhalt - den Erhalt rebellischer Strukturen - in diesem Leben braucht!

Wir für euch - ihr für uns - wir zusammen!

Samstag II 06. Februar 2016 II Gürtelstr./Wiesenweg (Rummelplatz)

  • 16 Uhr Kundgebung
  • 17 Uhr Demo (pünktlich!)

Eigentlich ist das Ganze gar nicht mal so unser Style. Wir werden alle älter. Wir sind weniger flexibel. Dabei hatten wir uns doch einmal geschworen, niemals so zu werden. Seit ungefähr fünf Jahren gibt es uns nun schon als Autonome Antifa Berlin. Der Weg bis hier hin ist voller schöner Erinnerungen. Mit Erfolgen und Niederlagen gesät, voller Widersprüche und Enttäuschungen. Anspruch und Wirklichkeit gingen immer wieder in verschiedene Richtungen. Lange Nächte und nicht enden wollende Diskussionen durchziehen die Zeit. Trotz alledem, ein fünfjähriger Geburtstag ist irgendwie ein Grund zum Feiern. Wir laden deswegen herzlichst zum Tanz.

 

Konzert

  • Haszcara [Fe_male Rap aus Göttingen]
  • Roter Hering [Klassenkampfcore - Rostocker Chor zur Bewahrung der ArbeiterInnenliedkultur]
  • Pöbel MC [Berlin]

After Show-Party

  • NotUrGrrrl [HipHop, Trap]
  • K.Atze [Alltimes, Pop, Trash]
  • pophoolism [Pop]
  • Süß & Niedlich [2000er Pop]

5. Februar 2016 // Einlass: 21 Uhr // Beginn: 21.30 Uhr // Supamolly (Jessner Str. 41, Friedrichshain)

In verschiedenen Städten Brandenburgs treffen sich, mitunter wöchentlich, rassistische Bürger_innen und Neonazis um u.a. gegen Geflüchtete zu hetzen. Städte wie Nauen können getrost als "National befreite Zone" bezeichnet werden. 
 
In Rathenow demonstrieren seit Monaten bis zu 800 deutsche Deutsche, Neonazis, rassistische Bürger_innen und "besorgte" Anwohner_innen gegen vermeintlichen Asylmissbrauch, "Multikulti", Migrant_innen und für eine Rückbesinnung auf das "eigene Volk". Längst ist Rathenow zum aktuellen Brennpunkt rassistischer Mobilisierungen in Brandenburg geworden. Grund genug zu intervenieren und lokale progressive Akteure zu unterstützen.
 
Das„Bürgerbündnis Havelland“ und seine Neonazis 
Wie üblich versucht sich auch das Rathenower „Bürgerbündnis“ an einem seriösen Auftreten. Seit Beginn der Demonstrationen waren und sind jedoch immer wieder bekannte und zum Teil wegen mehrfacher schwerer Gewaltdelikte vorbestrafte Neonazis als Ordner_innen eingesetzt, was der Anmelder, Nico Tews, fleißig zu leugnen versucht. Neben den Neonazis und Rassist_innen, die diese Demonstration anmelden, finanzieren und organisieren, kommen auch bis zu 100 Teilnehmende aus diesem politischen Spektrum, ob nun Neonazi-Bands (Preußenstolzsänger Patrick Danz), NPD-Kader (Michel Müller) und diverse Gruppierungen wie die „Freien Kräfte Neuruppin /Osthavelland, „PEGIDA Havelland“, „Der III. Weg“ oder DIE RECHTE. 
Wir wissen nicht genau, was schlimmer ist, die massive Beteiligung von Neonazis oder die Tatsache, dass der Großteil dieses offensichtlich rechten Aufmarsches aus "ganz normalen Bürger_innen" besteht.
 
 
Wachstumstendenzen
Schon jetzt handelt es sich hierbei um den größten regelmäßig stattfindenden rassistischen Aufmarsch in Berlin und Brandenburg - Tendenz steigend! Er strahlt weit über Rathenow hinaus und mobilisiert inzwischen auch über die Landesgrenzen hinaus regelmäßig Massen - vom Nazikader bis hin zum ganz "normalen Bürger", während der Widerstand bisher von verhältnismäßig wenigen Schultern getragen wird. Aus dem Aufmarsch heraus kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Journalisten und Antifaschist_innen und es ist nur eine Frage der Zeit bis diese Gewaltbereitschaft sich noch andere Bahnen sucht.
Es droht eine hegemoniale Stellung des rechten Mobs in der Region. Denn Fakt ist, um so länger organisierte Neonazis und "besorgte Bürger_innen" eine gemeinsame Wohlfühlveranstaltung haben, um so mehr Raum bietet sich einer permanenten Radikalisierung von Teilen der Bevölkerung. 
Brandenburg ist schon jetzt hinter Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, das Bundesland mit den meisten rechten Gewaltdelikten. 
 
Antirassistischer Widerstand
Wir möchten mit euch gemeinsam dieser unerträglichen Situation vor Ort Einhalt gebieten. Es gilt zu verhindern, dass sächsische Zustände um sich greifen. Am 12. Januar plant das „Bürgerbündnis“ wieder eine Demonstration durch Rathenow. Wir wollen die antifaschistischen und antirassistischen Strukturen vor Ort in ihrem Handeln bestärken. Unsere Solidarität soll eine praktische werden, um den Menschen, die seit Monaten regelmäßig eine Gegenkundgebung abhalten, Mut zu geben und sie zu unterstützen.
 
Es ist längst überfällig dem deutschen Mob entgegenzutreten - In Rathenow und anderswo!
 
Demonstration am 12. Januar 2016 II 17.45 Uhr II Bahnhof Rathenow
 
Zugtreffpunkt Berlin: 16.00 Uhr HBF - Gleis 14 (Abfahrt 16:11)
Zugtreffpunkt Potsdam: 16.20 Uhr HBF
Zugtreffpunkt Brandenburg Havel: 16.50 Uhr HBF

Die mittlerweile sechste Ausgabe der Reihe „Fragt uns, wir sind die Letzten” ist erschienen. Sie enthält Interviews mit Überlebenden, die im NS verfolgt wurden und/oder im Widerstand aktiv waren. Den Autor*innen geht es darum, die Perspektiven von Verfolgten und Menschen aus dem antifaschistischen Widerstand zu bewahren und sichtbar zu machen. Aus den Erfahrungen der Überlebenden sollen wir Konsequenzen für unser Denken und Handeln heute ziehen und sich gegen eine Erinnerungskultur einsetzen, die auf ein „unverkrampftes Verhältnis zur Nation” oder die Rechtfertigung deutscher Kriegsbeteiligung abzielt. Die geschilderten Verfolgungs- und Widerstandsgeschichten sind als Appell zu verstehen, sich Neonazis und menschenfeindlichem Gedankengut in der Gesellschaft entgegenzustellen und für emanzipatorische Ideen einzutreten. In diesem Sinne stellt die Broschüre auch eine Aufforderung zum Aktiv-Werden dar. Ihr könnt die Broschüre herunterladen oder als Print-Ausgabe bei der VVN-BdA bestellen.

Mehr Infos: fragtuns.blogsport.de

Die Proteste gegen die AfD-Demonstration am 7. November in Berlin liegen lange hinter uns. Die Repression steht uns jedoch noch bevor. Bei den versuchten Blockaden wurden Dutzende verhaftet. Es liegt an uns allen, die Betroffenen nun nicht alleine zu lassen.

Wenn ihr verhaftet wurdet, Post von der Polizei bekommt und euch mit anderen Betroffenen austauschen wollt, dann meldet euch unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Für Beratung zum Ablauf eines Gerichtsverfahren und zur Vermittlung von Rechtsanwält*innen meldet euch beim EA Berlin oder der Roten Hilfe Berlin.

Am Samstag, den 16. Januar 2016 wird es ab 21 Uhr einen Soli-Abend in der Schreina47 geben.

An dieser Stelle dokumentieren wir einen Aufruf, welcher auf linksunten publiziert wurde und auf welchen wir euch hinweisen möchten. Wir solidarisieren uns mit HG und dem M99!

Kommt zur Demo am 9. Januar 2016 - 14 Uhr - Heinrichplatz

Seit 1985 gibt es den Laden M99 in der Manteuffelstraße in Berlin-Kreuzberg. Den namensgebenden "Revolutionsbedarf" hat der Ladeninhaber HG bereits vorher verkauft. Mit seiner langen Geschichte ist der M99 heute einer der wenigen Orte, in dem der sprichwörtliche widerständige Geist eines alten Kreuzberges noch zu wehen scheint - auch wenn das Viertel rundrum inzwischen stark durchgentrifiziert ist. Der M99 ist kein Ort, wo es immer nur um's Konsumieren geht. Hier muss jede*r auch was tun, um die Ware zu bekommen. Jede*r, der*die einmal da war, wird den M99 niemals vergessen, was vor allem an seinem Inhaber HG liegt. Mit voller Hingabe betreibt er seinen Laden und wohnt in den Räumlichkeiten darüber. Eine Zwangsräumung würde seine berufliche und private Existenz vernichten.

Auch für viele Nachbar*innen gehört der M99 und HG einfach zum Viertel. Er ist fest im Kreuzberger Kiez verankert und nicht mehr aus der Manteuffelstraße und aus der linksradikalen Szene in Berlin wegzudenken. Dem Vermieter ist das allerdings scheißegal, er kann aus dem Haus noch einiges an Profit schlagen, um es vielleicht durch einige Tricks in gewinnbringende Eigentumswohnungen umzuwandeln. Der unangepasste Laden ist da natürlich ein konkretes "Investitionshemmnis". Um dieses zu "beseitigen", konnte er nun ein Räumungsurteil für die Ladenfläche vor Gericht erreichen.
Der M99 ist fristlos bis zum 31.12.2015 gekündigt und soll bis dahin leer geräumt werden. Durch den baulichen Zustand der Räume (berufen auf das sogenannte Allgemeine Sicherheits- und Ordnungsgesetzes, kurz ASOG Berlin) ist es zudem möglich, dass der M99 jederzeit nach dem 31.12.2015 auch ohne die Ankündigung eines*r Gerichtsvollzieher*in geräumt werden kann. Der Rechtsstreit über den Wohnraum von HG läuft nebenbei weiter.

Es lässt sich kaum vorstellen, wie stark der M99 uns alle in den letzten Jahren für den notwendigen Kampf gegen das System ausgestattet hat. Nun ist es an der Zeit, unsere Solidarität zu zeigen und HG und den M99 mit allen Mitteln zu verteidigen. Wir werden nicht länger warten oder gar dem Staat in seiner Rechtssprechung vertrauen. Für uns steht fest, dass HG und der M99 bleiben! In den letzten Jahren war der Laden und sein Besitzer aufgrund der eindeutigen politischen Ausrichtung vielen ein Dorn im Auge. Es gab bereits mehrere (neonazistische) Brandanschläge auf das Haus und auch jede Menge Razzien der Cops. Nun kommt der Angriff vom Eigentümer, doch gemeinsam können wir auch dem entgegen treten!

HG ist nur ein Beispiel für täglich stattfindende Zwangsräumungen in einer Großstadt wie Berlin. Und auch wenn diese brutalste Form der Verdrängung selten verhindert werden kann, kann doch der Preis dafür in die Höhe getrieben werden. Einem Staat, der sich vorrangig dem Schutz des Privateigentums verschrieben hat, sagen wir den Kampf an!

Demo: Samstag / 09.01.16 / 14 Uhr / Heinrichplatz

Haltet euch bereit für Tag X der Räumung! Weitere Ankündigungen folgen!

Aktuelle Infos unter #hg_m99

Miteinander, Zusammenhalt und Solidarität werden bei uns großgeschrieben. So konnten wir schon eine Menge Aufgaben lösen, neue Ideen entwickeln und diese auch umsetzen. Die Ankunft vieler, vor Krieg, Gewalt und Hunger geflüchteter, Menschen hier bei uns, ist ohne Zweifel eine große Herausforderung. Die Versorgung und Unterbringung notleidender Flüchtlinge, das Zusammenleben und ihre Integration verlangt allen Beteiligten viel ab: uns als Einwohnerinnen und Einwohner, den Gemeindeverwaltungen, Vereinen und Verbänden, Unternehmern, den vielen ehrenamtlich Engagierten. Auch für die geflüchteten Menschen ist es schwer, in der Fremde anzukommen. Unsere Probleme, wie z.B. Wartelisten bei Kitas, zu große Klassen in Schulen, unzuverlässige S-Bahnen, zu hohe Mieten, Hartz 4 etc. gibt es seit Jahren. Diese Probleme sind "Made in Germany". Anstatt aber die Probleme zu lösen, werden "plötzlich geflüchtete Menschen dafür verantwortlich gemacht. Gegen alle Fakten will uns nun die selbsternannte "Bürgerbewegung Heimatland" das Gegenteil einreden. Mit verlogenen und unmenschlichen Parolen behauptet sie, sich am 12.12. mit einer Demo in Strausberg-Vorstadt gegen "Asylbetrug" und "€žIslamisierung" wehren zu müssen. Sie tun so, als würden sie damit unser aller Meinung vertreten. Doch Flüchtlinge als Sündenböcke auszumachen, hilft kein Stück, unsere Probleme zu lösen. Rassisten und Fremdenfeinde wollen drängende Fragen nicht beantworten, sondern für ihre Zwecke Unsicherheit schüren und ausnutzen. Keine einzige plausible Lösung schlagen sie vor. Wir wollen und müssen uns gegen solche Leute und ihre Politik wehren, die fremdenfeindlich, rassistisch und deutschtümelnd daherkommen.

Vortreffpunkt aus Berlin: 12. Dezember 2015 / 12:30 Uhr / S-Bhf. Ostkreuz / Gleis 6

Am 21. November 1992 wurde Silvio Meier auf dem U Bahnhof Samariterstraße von Neonazis ermordet. Noch heute erfüllt uns der Mord mit Trauer, Betroffenheit und Wut. Freund*innen, Bekannte und Angehörige verloren damals einen engen Freund, Mitstreiter und Vater. Silvio Meier hat sich in linken, selbstorganisierten Bewegungen in der späten 1980er und frühen 90er Jahren engagiert. Er war in der linken DDR-Opposition aktiv, hat die Umweltbibliothek mitgegründet, das Element-of-Crime-Konzert 1987 in der Zionskirche mitorganisiert und war Teil der Hausbesetzer*innen-Bewegung in Ostberlin. Bereits beim Element-of-Crime-Konzert war er mit einem Angriff von Neonazis konfrontiert. Angesichts des erstarkenden Rassismus und Neofaschismus im sogenannten wiedervereinten Deutschland stellte er sich den Neonazis aktiv entgegen. Sein Engagement kostete ihm am 21. November 1992 sein Leben.

Am Abend des 21.11.1992 war Silvio Meier mit drei Freund*innen auf dem Weg zu einer Party. Auf dem U-Bahnhof Samariterstraße trafen sie auf eine Gruppe junger Neonazis, von denen einige rechte Aufnäher trugen. Silvio Meier und seine Freund*innen stellten sie zur Rede und nahmen ihnen die Aufnäher ab. Durch den Streit hatten sie die letzte U-Bahn verpasst und wollten den Bahnhof wieder verlassen. Auf der Mittelebene warteten die Neonazis und stachen auf Silvio Meier und seine Freund_innen ein. Er starb kurze Zeit später. Bereits am Tag nach seiner Ermordung richteten seine Freund*innen und Mitaktivist*innen eine Mahnwache hier an diesem Ort - am U-Bhf Samariterstraße – ein, welche noch heute jährlich stattfindet.

  • Mahnwache: Samstag / 21. November 2015 / 13 Uhr / U-Bhf. Samariterstraße / Bringt Blumen und Kerzen mit
  • Demo: Samstag / 21. November 2015 / 15 Uhr / S-Bahnhof Marzahn

Aktuelle Infos zu den Gegenprotesten auf antifa-berlin.info

Am 7. November will die AfD in Berlin aufmarschieren. Die Demonstration soll den Höhepunkt ihrer "Herbstoffensive" darstellen. Bereits in den letzten Wochen ist die AfD unter anderem in RostockErfurt und Magdeburg aufmarschiert. Regelmäßig liefen auch organisierte Neonazis unbehelligt mit und griffen aus dem AfD-Aufmarsch heraus Linke an. Angesichts der Teilnehmer_innenzahlen der letzten Aufmärsche müssen wir mit mehreren tausend Rassist*innen rechnen.

Nachdem die extrem rechten Strömungen innerhalb der AfD die eskalierten Flügelkämpfe im Juli 2015 für sich entscheiden konnten, setzt diese immer mehr auf eine offen rassistische und nationalistische Rhetorik. Versuchte sie vorher sich zumindest öffentlich von Pegida, NPD und anderen Neonazis abzugrenzen, weicht diese vermeintliche Distanz immer mehr auf. Angetrieben vom zunehmend rassistischen Grundtenor der Asyldebatten rast sie von einem Umfragehoch zum nächsten. Es droht die Etablierung einer extrem rechten Partei auch in den deutschen Parlamenten.

Gleichzeitig werden die rassistischen Parolen zunehmend auch in der bürgerlichen Mitte aufgegriffen. Von der CSU befeuert stimmen zunehmend auch Minister der CDU und SPD in den Chor der "Das Boot ist voll"-Rassist*innen ein. Nicht nur rhetorisch stellen diese das Grundrecht auf Asyl in Frage. Erst letzte Woche wurde die dritte Asylrechtsverschärfung seit September 2014 beschlossen - erneut mit Zustimmung der Grünen.

Auf der Straße sehen wir das Resultat: In Form progromartiger Krawallen wie in Heidenau und Freital; in unzähligen Angriffen auf Geflüchtete und in einer Serie von Brandanschlägen, wie wir sie seit Anfang der 1990er nicht mehr erlebt haben. Die Initiative "Mut gegen rechte Gewalt" führt in ihrer Chronik allein für dieses Jahr 74 Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte auf.

Gleichzeitig schaffen wir es als antifaschistische Bewegung zur Zeit nur punktuell diesem Treiben effektiven Widerstand entgegenzusetzen. Nach wie vor gröllen jeden Montag die Rassist*innen von Bärgida ihre Parolen durch die Straßen. Regelmäßig führen NPD, Pro Deutschland und andere Neonazis Kundgebungen in der Nähe bewohnter Unterkünfte durch. Viel zu selten gelingt es uns diese Aufmärsche erfolgreich zu stören oder gar zu verhindern. Viel zu häufig müssen wir uns auf symbolische Gegenproteste beschränken.

Wir denken und hoffen, dass es am 7. November anders sein kann. Die Ausgangsbedingungen sind gut, der AfD den Höhepunkt ihrer "Herbstoffensive" zu vermiesen. Das Aufmarschgebiet vom Alexanderplatz zum Hauptbahnhof bietet Möglichkeiten für eine breite Palette an Aktionsformen und lässt sich von den Bullen kaum vollständig kontrollieren. Die vielen Tourist*innen in der Gegend erschweren den Bullen allzu repressive Einsätze. Und nicht zuletzt sind wir zuversichtlich, dass wir genügend Leute auf der Straße werden.

Mit dem Fokus auf den 7. November wollen wir keineswegs sagen, die anderen Aufmärsche in den nächsten Tagen und Wochen wären unbedeutend. Jede Zusammenrottung von Rassist*innen ist eine zu viel! Wir denken jedoch, dass es notwenig ist uns Einzelne herauszupicken und dort zu spüren, dass wir gemeinsam den Schritt vom Gegenprotest zum effektiven Widerstand gehen können. Nicht des Selstzwecks wegen, sondern um neue Kraft und Mitstreiter*innen für die nervenaufreibenden, alltäglichen Kämpfe zu finden.

Deshalb: Lasst uns gemeinsam den 7. November zu einem Desaster für die AfD machen. Haltet euch den Tag frei, achtet auf aktuelle Ankündigungen und beteiligt euch mit euren Aktionen! Gemeinsam können wir die Rassist*innen stoppen: Auf allen Eben, mit allen notwendigen Mitteln!

Bis dahin geplante Aufmärsche von Rassist*innen in Berlin:

  • Am Montag, dem 2. November will die NPD in Johannistal aufmarschieren. Informationen zu den Gegenprotesten gibt es bei Uffmucken Schöneweide.
  • Nach wie vor organisiert das Bündnis NoBärgida Proteste gegen die wöchentlichen Aufmärsche. Aktuelle Informationen gibt es leider nur bei Twitter und Facebook.
  • Bereits am 24. und 31. Oktober (jeweils Samstags) versucht die AfD mit kleineren Aufmärschen in Berlin Fuss zu fassen. Am 24.10. gibt es eine Gegendemo um 14.30 Uhr am S-Bhf. Tiergarten.