Während die deutschen Behörden weiterhin in das „sichere Drittland” Serbien abschieben, sind die Lebensbedingungen der dort ansässigen Rom_nja nach wie vor alarmierend. Die Verwehrung von sozialen Leistungen sowie Zwangsräumungen ihrer Siedlungen stehen an der Tagesordnung. Die Ausreise aus dem Land sehen  viele Betroffene als Möglichkeit, ihre gegenwärtigen Lebensbedingungen zu verbessern.

Mit der Einführung des „Weißen Schengens” wurden 2009 die  Reisevorschriften für serbische Staatsbürger_innen gelockert. Seitdem steigt die Zahl der Asylanträge aus Serbien. Doch in der EU sind die sogenannten „falschen Asylanten” unerwünscht. Um  weiterhin die Reisefreiheit genießen zu dürfen, solle Serbien die Zahl  der Asylbewerber_innen verringern. Diese Aufforderung mündet in einen  Generalverdacht gegen Rom_nja. Rassistische Grenzkontrollen, die  Verweigerung der Ausreise und die Kriminalisierung von Abgeschobenen in Serbien sind Konsequenzen dieser Grenzpolitik.

Zwei Aktivistinnen aus Belgrad berichten über den  Zusammenhang von Visapolitik, Abschiebung und der Situation von Rom_nja  in Serbien. Vortrag und Diskussion auf Englisch und Serbisch mit deutscher Übersetzung.

Do. 27.09.2012 | 19.00 | Haus der Demokratie und Menschenrechte | Greifswalderstr. 4 | Berlin

Fr. 28.09.2012 | 19.00 | Gemeindezentrum Zion | Kornstr. 31 | Bremen

Weitere Infos hier und unter solidarnost.blogsport.eu.

Am 12. September, kurz vor seinem 100. Geburtstag, verstarb Erwin Schulz, Moorsoldat und Ehrenvorsitzender des VVN-BdA Köpenick. Er wurde am 13. Oktober 1912 in Tempelhof geboren. 1922 trat er dem Arbeitersportverein „Fichte“ bei. Vereine des Arbeitersports galten als fortschrittlich und antibürgerlich. Fünf Jahre später trat er in die Gewerkschaft, den Zentralverband der Angestellten, ein. Nach der Machtübergabe an Hitler im Januar 1933 wurden oppositionelle Gruppierungen nach und nach verboten, so auch der Arbeitersportverein „Fichte“. 1935 wurde er bei einem illegalen Treffen verraten und verhaftet. Anschließend wurde er wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er unter anderen antinazistische Flugblätter verteilt hatte und die klandestinen Strukturen von "Fichte" aufrecht erhielt. Die Stationen der nächsten zehn Jahre hießen Zuchthaus Luckau, das Lager Esterwegen und das Lager Börgermoor (bekannt durch das Lied der Moorsoldaten). 1942 wurde er in die Strafdivision 999 eingezogen. 1943 konnte er in Tunesien überlaufen. In der britischen und amerikanischen Gefangenschaft  fand er Gleichgesinnte für politische Arbeit. Nach seiner Rückkehr im Oktober 1946 nach Berlin engagierte er sich bis zu seinem Lebensende für den Antifaschismus.

Weitere Informationen: Zeitzeugeninterview mit Erwin Schulz

Kürzlich ist der dritte Teil der Broschüre „Fragt uns, wir sind die Letzten“ erschienen. In ihr werden Erinnerungen von Verfolgten und Menschen aus dem antifaschistischen Widerstand aufzeichnet. Diese Erinnerungen sind ein bedeutendes Gegengewicht zu herrschenden Geschichtsbildern und auch zu denjenigen Zeitzeug_innen, die scheinbar von nichts wussten – vor allem nicht von ihrer eigenen Schuld. Von den Zeitzeug_innen wird nicht erwartet, dass sie uns Geschichte objektiv vermitteln. Den Autor*innen geht es gerade um die individuellen Schlüsse und die Bewertungen, die nur Verfolgte und Menschen aus dem Widerstand vermitteln können. Die Interviews orientieren sich dabei weniger an einem wissenschaftlichen, vermeintlich objektiven Zugang zu Geschichte, sondern vielmehr an einem persönlichen. Wie erlebten Menschen Verfolgung und/oder Widerstand? Welche Erkenntnisse zogen sie daraus? Was waren (und sind) ihre Beweggründe, sich gegen faschistisches Gedankengut einzusetzen?

Weitere Infos findet ihr unter fragtuns.blogsport.de

Wenn Menschen diskriminiert, beschimpft verletzt und umgebracht werden, weil sie Anderen nicht 'deutsch' genug sind, haben wir ein fettes Problem. Und zwar mit denen, die beschimpfen und beleidigen, verletzen und töten.

WAS WAR LOS IN ROSTOCK LICHTENHAGEN?

Neben dem Rostocker Fernbahnhof lag 1992 die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende, kurz ZAst gennannt. Im gleichen elfstöckigen Plattenbau wohnten nebenan ehemalige vietnamesische „Vertragsarbeiter_innen“.In den Tagen vor dem Pogrom trafen auch Asylsuchende rumänische Roma ein, denen die Aufnahme verweigert wurde. Fast 400 Menschen waren gezwungen vor dem Haus auszuharren, nicht einmal Toiletten oder Wasser wurde ihnen gestellt. Die Aufnahmestelle, in der nur knapp 300 Betten waren, sollte schon länger in ein anderes, leerstehende Gebäude ziehen, um mehr Platz zu haben. Der Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns, Georg Diederich, verzögerte den geplanten Umzug.

Anfang der Neunziger kam es, angefeuert durch den Nach-Wende-Nationalismus, zu einem rasanten erstarken der deutschen Naziszene in Ost und West. Einig mit der Stimmungsmache gegen das Asylrecht entbrannte eine von den wesentlichen deutschen Zeitungen mitgetragene rassistische Stimmung, in der sich die Nazis als „Vollstrecker des Volkswillen“ fühlen konnten. In vielen deutschen Köpfen war „das Boot voll“ und in den ganz verwirrten schien ein „4. Reich“ zum Greifen nahe. Was von vielen Linken und im Ausland als Albtraum befürchtet wurde, wurde hier zur Zukunftsvision. Fast täglich wurden Menschen aus rassistischen Motiven angegriffen, Nazis traten immer offener und offensiver in Erscheinung und spielten sich vielerorts als lokale Bürgerwehr auf. Bundesweit kam es zu Brandanschlägen auf Asylbewerber_innenheime und Wohnungen von Migrant_innen. Nachdem es in Hoyerswerda¹ und Mannheim-Schönau² schon zu Pogromen* gekommen war, eskalierte die Situation in Rostock-Lichtenhagen zum Höhepunkt dieser Entwicklung, zumindest was mediale Aufmerksamkeit und politische Relevanz betrifft.


Der nachfolgende Artikel erschien in 19ten Ausgabe der Rosen auf den Weg gestreut

Ende August planen antifaschistische Gruppen aus NRW in Dortmund ein bundesweites Antifa-Camp. Dortmund ist seit Jahren für sein Naziproblem bekannt. Der sogenannte “Nationale Antikriegstag” hat ähnlich wie das nazistische “Gedenken” an die Bombardierung Dresdens bundesweite Bedeutung für die Naziszene. Ziel des Camps ist eine direkte Intervention gegen den Naziaufmarsch zum Antikriegstag am 1. September und die von den Nazis ausgerufenen “Aktionswochen” im Vorfeld. Zusätzlich erwartet euch ein vielfältiges Programm aus Aktionen, Workshops und Kulturprogramm. Neben dem Schwerpunkt auf antifaschistische Praxis sollen an Thementagen zu Anti-Rasssismus, Anti-Militarismus und Sozialer Frage eigene inhaltliche Akzente gesetzt werden.

Eine weitere Möglichkeit zum politischen Zeltvergnügen bietet sich im September im Norden Sachsen-Anhalts. Dort befindet sich das Gefechtsübungszentrum (GÜZ) Altmark. Alle Soldat_innen der Bundeswehr, die in einen Auslandseinsatz geschickt werden, müssen sich im GÜZ einem Kampftraining unterziehen. Zusätzlich beginnt 2012 auf dem GÜZ der Bau einer Stadt mit 500 Gebäuden, Flughafen und U-Bahn, zum Üben des Krieges in Wohnsiedlungen, Altstadtbezirken, Slums, Industriegebieten und Einkaufsmeilen. Hier beginnt der Krieg, der weltweit geführt wird. Folglich ist es auch an der Zeit, um unseren Widerstand an diesen zentralen Ort zu tragen. Aus diesem Grund findet in der Nähe vom 12. - 17. September ein internationales Camp unter dem Motto "War starts here" statt. Höhepunkt ist der Aktionstag, an dem das GÜZ geentert werden soll.

Am 23. September 2011 wurde Tobias in Berlin-Mitte festgenommen. Ihm wird Autobrandstiftung vorgeworfen. Noch am selben Tag stürmten die Bullen Tobias Wohnung und erwirkten einen Haftbefehl. Tobias saß bereits wegen des Verdachts der Autobrandstiftung bereits im Jahr 2010 mehrere Monate in Untersuchungshaft. Aus Mangel an Beweisen wurde dieses Verfahren eingestellt.

Passend dazu setzte erneut eine Hetzkampagne in den bürgerlichen Medien ein. In den  Monaten zuvor war es immer wieder zu Brandstiftungen an Fahrzeugen gekommen. Die Bullen hatten daraufhin mit sogenannten "Brandstreifen" und Hubschraubereinsätzen ganz Berlin terrorisiert. Mit der Festnahme von Tobias sollte ein Exempel statuiert werden.

Am 30. November wurde Tobias in nur einem Verhandlungstag zu 2 Jahren und 6 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Am 11. Juni 2012 musste Tobias seine Haft antreten und sitzt seitdem in der JVA Hakenfelde. Jetzt ist Solidarität gefragt!

Weitere Infos findet ihr unter freiheitfuertobias.blogsport.de

Neben dem Rostocker Fernbahnhof lag 1992 die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende, kurz ZAst gennannt. Im gleichen elfstöckigen Plattenbau wohnten nebenan ehemalige vietnamesische „Vertragsarbeiter_innen“. In den Tagen zuvor trafen auch Asylsuchende rumänische Roma ein, denen die Aufnahme verweigert wurde. Fast 400 Menschen waren gezwungen vor dem Haus auszuharren, nicht einmal Toiletten oder Wasser wurde ihnen gestellt. Am einem Samstag Abend, dem 22. August, versammelten sich über tausend Rostocker_innen vor dem Haus. Gegen zwanzig Uhr warfen die Ersten mit Teilen von Gehwegplatten Fenster ein, später kamen Molotowcocktails hinzu. Aus der Menge wurden Parolen wie „Ausländer Raus“ und „Heil Hitler“ skandiert. Die anwesende Rostocker Polizei war damit beschäftigt, sich selbst zu schützen. Am nächsten Tag reisten erste organisierte Nazis an. Angreifer_innen brachen in das Haus der Vietnames_innen ein, die Polizei holte sie wieder heraus. Erst am Montag wurden die Menschen aus der ZAst evakuiert. Allerdings nicht die dort lebenden Vietnames_innen. Das Haus wurde von den Angreifer_innen beworfen und angezündet. Mehrere tausend Menschen schauten zu, klatschen Beifall und boten den Angreifenden Schutz. Die Bewohner_innen brachen verschlossene Notaufgänge auf und flüchteten über das Dach, während die Feuerwehr über eine halbe Stunde brauchte, um durch die Menge zu dem Haus durchzukommen.

Anlässlich des 20. Jahrestages dieser Ereignisse nahmen am 25. August 2012 in Rostock über 6.500 Menschen an einer Gedenkdemonstration teil. Außerdem wurde im Rahmen einer Kundgebung eine Gedenktafel am Rostocker Rathaus angebraucht (Video / Bilder: 1, 2, 3, 4). Am darauffolgenden Sonntag stand bei der "zentralen Gedenkveranstaltung" der Stadt Rostock hingegen Geschichtsklitterung und Verharmlosung im Vordergrund. Dabei kam es zu lautstarken Protest während der Rede von Bundespräsident Gauck. Des Weiteren unterstrich eine Begebenheit am Rand den verlogenen Charakter der Veranstaltung. Zwei Mitgliedern des deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e. V. wurde der Einlass zur Gedenkveranstaltung der rassistischen Pogromen von vor 20 Jahren verwehrt - trotz offizieller Einladung und ohne Begründung (Video).

Aufruf: Deutsche Zustände aufmischen
Hintergrundinfos: Vor 20 Jahren in Rostock - Ein Pogrom vor aller Augen
Mehr Infos: lichtenhagen.net

Zu Beginn des Jahres 2011 haben sich die Antifa Prenzlauer Berg, die Jugendantifa Berlin und einige Einzelpersonen zur Autonomen Antifa Berlin (A2B) zusammengeschlossen. Die Vorgängergruppen befanden sich schon einige Zeit in einem Neuorientierungsprozess. Der Bezug auf den eigenen Kiez der Antifa Prenzlauer Berg wie die Ausrichtung auf reine Jugendarbeit für die Jugendantifa Berlin entsprachen seit längerer Zeit schon nicht mehr der tatsächlichen antifaschistischen Praxis beider Gruppen. Vor allem bei der Organisation der Silvio-Meier-Demonstration 2010 und den Aktivitäten gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai letzten Jahres in Berlin hatten beide Gruppen wie die beteiligten Einzelpersonen politische Berührungspunkte und Übereinstimmung festgestellt und sich in der gemeinsamen politischen Praxis und Diskussion angenähert Mit einem kurzen Vorstellungspapier zu unserem Zusammenschluss möchten wir euch hier eine erste Idee unseres antifaschistischen Selbstverständnisses geben.

Wieder mal können wir hier eine neue Ausgabe der „Rosen auf den Weg gestreut“ anpreisen, die in den letzten Wochen tausendfach an Schüler_innen in Nordostberlin gereicht wurde. Die nunmehr 19. Nummer des beliebten diesmal 36seitigen linksradikalen Jugendinfos besticht wieder einmal durch eine extrem abwechslungsreiche Themenauswahl. Belest Euch über Mobbing an der Schule, das rassistische Pogrom vor 20 Jahren in Rostock-Lichtenhagen, den geplanten Asylknast auf dem Berliner Flughafen BBI, Pankower Nazis und den Konflikt um den Iran. Zudem liefert Euch das Heft in der Serie „Holt euch den Reichtum“ das theoretische Futter für Aneignungen. Bestens informiert ist die geneigte Leser_innenschaft diesmal auch über Fantasy-Welten, Wodkatampons und die Gruppe "Interbrigadas". Unter den Tisch fallen sollte auch nicht der Buchtipp „Die rote Köchin“, die Filmbesprechung zu „Die Kriegerin“ und das beliebte Kreuzworträtsel mit Gewinnchance.